Uehrde, 12. März 2017

Nachricht

Fritz Baltruweit gastiert in der Kapelle zu Uehrde

Kirchenlieder für Jedermann

Auftritt in der Uehder Kapelle

„Martin Luther hat die Menschen seiner Zeit mit dem Gedanken der Freiheit infiziert“, stellte Fritz Baltruweit am Sonntag zu Beginn seines Konzertes in der Kapelle in Uehrde fest. Dazu passte dann auch sein erstes Lied, bei dem die Zuhörer gleich textsicher mit einstimmten. „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten.“

Mit dem zentralen Gedanken der Freiheit gegenüber Papst und Kirche leitete Luther vor 500 Jahren die Reformation ein, doch gerade durch seine Lieder erreichte er noch viel mehr. Dem widmete sich der Liedermacher und Theologe Baltruweit in einem Programm aus bekannten geistlichen Volksliedern, das er mit Anekdoten aus ihrer Entstehungszeit würzte. Vor allem aber stellte er dar, dass Luther die Musik nutzte, um den damals doch sehr lebensfernen Dunstkreis der Kirche zu verlassen und die einfachen Menschen zu erreichen.

„Er nahm bekannte Melodien für seine neuen Texte, also etwa so als würden wir heute 'Let it be' oder 'Atemlos' nutzen.“ Das ging ins Ohr, jedermann konnte damit etwas anfangen, gerade in einer Zeit, in der viele nicht lesen konnten. In der heiligen Messe gab es seinerzeit vielleicht gregorianische Gesänge, doch auf keinen Fall Volkslieder. Die kamen tatsächlich erst mit Martin Luther und begründeten die evangelische Tradition, dass die Gemeinde im Gottesdienst singt.

„Auf diese Weise rettete Luther auch manche Melodie, die heute sonst vielleicht verloren wäre“, machte Baltruweit deutlich und erinnerte auch an die zahlreichen Redewendungen, mit denen Luther die deutsche Sprache prägte. Er schaute dem Volk aufs Maul und verpackte seine Botschaften so, dass sie bei möglichst vielen Menschen ankamen. Der Erfolg gibt ihm ganz offensichtlich Recht.

Noch dazu prägte Luther die Kirchenmusik ganz entscheidend, beispielsweise mit den Zeilen „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen. Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.“ Auch dieses Lied können die meisten Christen problemlos mitsingen. Baltruweit beeindrucken aber nicht nur die Lieder, sagte er, sondern ganz besonders auch das Verhältnis zu Luthers Ehefrau Katharina, die – für die damalige Zeit unvorstellbar – gleichberechtigt war. Vielleicht, so mutmaßte er, erklärt das auch, warum es oft Liebeslieder waren, die Luther zugrunde legte.

Die Liebe zur Musik und zu Gott war an diesem Nachmittag deutlich zu spüren, nicht nur bei Baltruweit und seiner Begleitung Konstanze Kuß an der Harfe und der Flöte, sondern auch bei den vielen Besuchern in der kleinen Kapelle, die das gemeinsame Singen sichtlich genossen. So gab es dann zum Abschluss auch noch einen Song, zu dem Baltruweit selbst die Melodie schrieb. „Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.“ Ob auch dieses Lied in 500 Jahren noch in Kirchen gesungen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Auf dem Heimweg summten es jedenfalls viele noch vor sich hin.

Christian Dolle