Osterode, 25. März 2017

Nachricht

Das kann nicht Gottes Wille sein

Freie evangelische christliche Gemeinschaft Aschenhütte stellte sich vor

Durch viele Lieder des Chores bekamen die Besucher einen Eiblick in die Jugenarbeit

Unter Stalin wurden zahlreiche deutschstämmige Christen in der Sowjetunion verhaftet und hingerichtet. Verfolgungen gab es noch bis in die 1980er Jahre, weshalb sich viele sogenannte Russlanddeutsche in der Heimat ihrer Ahnen eine bessere Zukunft versprachen. Ihr fester Glaube spielte dabei immer eine entscheidende Rolle und gab ihnen Kraft.

Seit in den 1970er Jahren immer mehr Aussiedler nach Deutschland kamen, entstanden hier Gemeinden, die sich durch die gemeinsame russische Geschichte verbunden fühlten und die stetig wuchsen. Zuerst taten sich nur einige Familien zu Hauskreisen zusammen, später wurden Räumlichkeiten angemietet und irgendwann auch eigene Gemeindehäuser gebaut oder gekauft. So ging es auch der freien evangelischen christlichen Gemeinschaft, die seit 2000 in Aschenhütte ansässig ist und aktuelle etwa 250 Mitglieder zählt. Im Rahmen der Ausstellung „Religramme“ stellte sich die Gemeinde am Samstag in der Kurt-Schröder-Halle in Osterode vor und sprach dabei auch, aber nicht nur über die leidvolle Vergangenheit.

Vitali Reinhardt, Viktor Kromberg und Albert Schlecht erläuterten die Situation deutschstämmiger Vertriebener in Russland und wie sich ihre Gemeinde in Aschenhütte entwickelt hatte. Dabei sprachen sie auch über einige Besonderheiten wie beispielsweise dass viermal in der Woche Gottesdienst gefeiert wird, die Kopftuchpflicht für Frauen im Gottesdienst und dass die Frau dem Mann nach ihrem biblischen Verständnis unterstellt und keinesfalls gleichberechtigt ist.

„Wir sagen nicht, dass wir die allerbesten Christen sind in diesem Land“, machte Schlecht deutlich, doch eine sehr wortgetreue Glaubensauslegung unterscheidet sie dann eben doch von der evangelischen Landeskirche. Fundament sei für sie der Glaube an den lebendigen Gott, denn Glaube und Religion müssten nicht immer gleichbedeutend sein. „Religion lässt sich sehr leicht instrumentalisieren“, stellte er fest, das sei derzeit beispielsweise in der Ukraine zu sehen, wo Priester wie so oft auf beiden Seiten der Konfliktparteien Waffen in Gottes Namen segnen. „Das kann nicht Gottes Wille sein“, kritisierte Schlecht.

Auch in Deutschland finden viele Menschen nicht mehr zum lebendigen Gott, habe er den Eindruck, und 500 Jahre nach Martin Luther, dessen Verdienste er durchaus schätze, brauche es vielleicht eine zweite Reformation. Zumindest laufe in seiner Gemeinde vieles besser als anderswo, Scheidungen gebe es nicht und insbesondere die Familien seien stabil und geben den Menschen Halt. Das zeige sich nicht zuletzt in der für die Gemeinde sehr wichtigen Jugendarbeit, die sich unter anderem in den Chören ausdrückt.

Einen Einblick konnten die Besucher an diesem Abend dank vieler Lieder bekommen, wer sich jedoch ein noch deutlicheres eigenes Bild machen möchte, so betonte Viktor Kromberg, ist jeden Sonntag um 10 Uhr herzlich nach Aschenhütte zum Gottesdienst eingeladen.

 

Die Ausstellung „Religramme“ endet am kommenden Mittwoch, 29. März, mit der Vorstellung der interreligiösen Frauengruppe Osterode und internationaler kultureller Musik, die ab 18 Uhr zu hören sein wird.

Christian Dolle