Osterode, 18. Mai 2017

Nachricht

Premiere des multikulturellen Theaterstücks "Karline"

Lampenfieber ist kulturkreisübergreifend

Premiere in der Wartbergschule

Gemeinsam probten die Darsteller der Wartbergschule, der Grundschule Dreilinden und von STArQ das Theaterstück „Karline“. Gemeinsam fieberten sie auch der Premiere am Donnerstag in der Wartbergschule und schließlich dem ersten Öffnen des Vorhangs entgegen. Für viele von ihnen waren es die ersten Bühnenerfahrungen, für manche sogar das erste Mal, dass sie sich in die Kultur ihrer neuen Heimat einbrachten. Lampenfieber ist eben kulturkreisübergreifend.

„Karline“ ist ein Theaterprojekt über und mit Geflüchteten. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das seine Eltern und seine Heimat verliert und sich auf die Suche nach einem neuen Ort macht, an dem sie willkommen ist und bleiben kann. Eine Geschichte, die einige der Mitwirkenden aus eigener Erfahrung kennen. Insofern war es auch für Regisseurin Marlis Heringhaus und alle Beteiligten des Projektes der evangelischen Jugend Harzer Land eine absolute Herzensangelegenheit.

Umso schöner, dass es in der Aula richtig voll wurde und viele der Zuschauer von Beginn an dem Spiel begeistert folgten. Schulleiter Dirk Pruschke hatte zuvor betont, wie wichtig Theaterspielen für die Schule und die Schüler ist und auch, dass solche hochbrisanten Themen angemessen aufgegriffen werden. Das Stück sei „eine wichtige Schnittstelle“ der Integration, hatte der stellvertretende Bürgermeister Peter Wendlandt deutlich gemacht, „wir sind hier in Osterode auf einem guten Weg.“

Karlines Weg im Stück ist da deutlich beschwerlicher, sie irrt umher und gerät dabei an allerlei Fantasiewesen, von denen einige zunächst helfen wollen, sie alle aber dennoch nicht erfassen, was dieses Mädchen eigentlich braucht. Erst am Ende findet sie eine bunte Gemeinschaft, die sich nicht durch gleiche Merkmale auszeichnet, die andere ausschließen, sondern durch Individualität und unterschiedliche persönliche Stärken.

Die Botschaft des Stückes ist einfach und wird durch die des gesamten Projektes noch bestärkt. Dass dabei alles nicht wie der berühmte moralische Zeigefinger wirkt, sondern durchgehend Spaß macht, unterhaltsam ist und zu verzaubern vermag, ist der guten Zusammenarbeit aller im Hintergrund Wirkenden zu verdanken und natürlich der unbefangenen Spielfreude der Darsteller. Die machten ihre Sache durchweg gut und wirkten vor allem als ein Ensemble, in dem der eine auf den anderen eingespielt ist.

Mit dem letzten Vorhang war der Nachmittag dann noch nicht beendet, es gab noch Musik und ein reichliches Buffet von Teilnehmern des Sprachpatenprojektes im Gemeindehaus St. Marien. Nicht nur die kulinarischen Schätze aus Afghanistan und Syrien verlockten zum Bleiben, sondern auch die angenehme Stimmung und der Austausch, den genau das Projekt ja fördern wollte. Insofern ist alles rundum gelungen und die Mitwirkenden können sich nun auf die nächste Vorstellung am 8. Juni um 16 Uhr in der Stadtbibliothek Osterode freuen.

Christian Dolle