Herzberg, 18. August 2017

Nachricht

Kirche muss neu gedacht werden

Sitzung des Kirchenkreistages: Perspektivprozess im Mittelpunkt

Volkmar Keil

Den Pastor, der nur für ein Dorf zuständig und dort immer präsent ist, gibt es heute nicht mehr. „Kirche muss neu gedacht werden“, machte Superintendent Keil am Freitagabend bei der Sitzung des Kirchenkreistages im Herzberger Martin-Luther-Haus deutlich. Er sprach damit den Perspektivprozess im Harzer Land an, der im vergangenen Jahr angestoßen worden war. Es geht darum, Wege zu finden, wie Gemeinden die demografische Entwicklung und den drohenden Pastorenmangel auffangen können. Dazu haben sich acht Fachgruppen gebildet, es fanden Klausurtagungen statt und nun kommt der Prozess in die nächste Phase. Ziel ist es, dass sich die Regionen im Kirchenkreis neu und zukunftsfähig aufstellen „Die Arbeit geht zurück in die Regionen, die anhand eines vorläufigen Ressourcenplanes einen Vorschlag für einen regionalen Stellenplanungsentwurf unterbreiten“, erläuterte Keil. Denn man rechne mit einer Sparmaßgabe seitens der Evangelischen Landeskirche von 1,5 Prozent. „Ich möchte darum bitten, an der ein oder anderen Stelle nicht die Kirche im Dorf zu lassen. Denken sie regional, finden sie neue Modelle, wie Kirche modern gestaltet werden kann. Und beachten sie dabei bitte, dass in einigen Jahren nicht mehr genügend Pastoren da sein werden. Bringen sie ihre Ideen ins Gespräch!“, so Keil. Diese Ergebnisse gehen schließlich in den Stellenplanungsausschuss ein und aus den Ergebnissen soll bei einer 3. Klausurtagung im Januar 2018 ein Stellenplanentwurf  für den Kirchenkreis erarbeitet werden, der wiederum in den Kirchenkreistag im Februar eingeht und erst bei der Sitzung im Mai beschlossen werden soll.

 

Neues von der Fusion der Kirchenkreisämter Northeim und Osterode hatte Christa Eulert zu berichten. „Die größte und teuerste Entscheidung habe ich ihnen im Bild mitgebracht“, erklärte sie. Denn seit dem 1. Juli sei der Kirchenkreis Eigentümer eines Hauses in der Bahnhofstraße 30 in Northeim, das an die bisherigen Gebäude des dortigen Kirchenkreisamtes anschließe. Diese drei Gebäude sollen künftig das neue, gemeinsame Kirchenamt bilden. „Wir haben dafür gute 400.000 Euro investiert“, erklärte Eulert auf Nachfrage aus dem Plenum, was ein wenig Stimmengewirr auslöste. „Man muss diese Summe in Relation dazu sehen, was es hoffentlich bringt: Auf längere Zeit Einsparungen bei Personalkosten und Synergieeffekte“, warf Pastor Teicke ein. Auch Pastor Merz gab sein Statement dazu ab: „Das Geld ist in eine Immobilien angelegt. Zudem ziehen wir in Northeim nun nicht als Juniorpartner ein, sondern als Partner auf Augenhöhe.“

 

Bei der Kirchenkreistagssitzung standen natürlich auch wieder einige Entscheidungen an. Und bei Kirche gilt wohl, was auch bei Vereinen oft der Fall ist, wenn es um die ehrenamtliche Postenvergabe geht: Wer vorgeschlagen wird, wird auch gewählt. So ist Dennis Brockmann nicht nur neues Mitglied im Bau- und Finanzausschuss, sondern auch im Bedarfsplanungsausschuss. Ein weiteres Mitglied für den Bau- und Finanzausschuss und den Anlageausschuss wird nach wie vor gesucht, so dass das Thema bei der nächsten Kirchenkreistagssitzung am Freitag, 3. November, noch einmal auf den Tisch kommen wird.   

Einstimmig setzten sich die Mitglieder des Kirchenkreistages für die Verlängerung der Stelle in der Flüchtlingssozialarbeit ein, die von Dana Pruss bis Ende 2019 mit dem Zusatz besetzt ist, dass eine längere Zusammenarbeit gewünscht sei, wenn weitere Mittel zur Verfügung stehen. Dana Pruss bekam die Gelegenheit, ihre Arbeit vor dem Kirchenkreistag vorzustellen, erzählte von ihrem Austausch mit Ehrenamtlichen, die allerdings zahlenmäßig leider immer weniger würden, der erfolgreichen Netzwerkarbeit, von neuen Projekten wie einer Veranstaltungsreihe mit der Zukunftswerkstatt in Herzberg sowie Vorträgen der Verbraucherzentrale und der Suchtberatung. Sie verdeutlichte, dass sich die Themen, bei denen sie berate, vollkommen geändert hätten: „Es geht nicht mehr darum, den Erstbedarf an Kleidung oder Mobiliar zu decken, sondern immer mehr um tiefgreifendere Problematiken wie Asylverfahrensberatungen und drohende Abschiebungen.“

Nicht zuletzt wies Pastor André Dittmann noch einmal auf das bevorstehende Luther-Happening unter dem Motto „Danke, Martin!“ hin, das vom 1. bis 3. September mit jeder Menge Musik, einem großen Markt der Möglichkeiten, Bibelarbeiten, einem gemeinsamen Frühstück und einem Festgottesdienst in Osterode gefeiert wird. „Flyer und Banner sind überall verteilt, ab Donnerstag folgen noch die Programmhefte, die in den Kirchen der Regionen ausliegen. Kommen sie alle nach Osterode, bringen sie Familie und Freunde mit und lassen sie uns gemeinsam zeigen, dass wir eine moderne, bunte und tolle Gemeinschaft sind und dass sich ehrenamtliches, kirchliches Engagement lohnt“, warb Dittmann und machte darauf aufmerksam, dass es neben der Homepage www.danke-martin.de auch eine Facebook-Seite zum Luther-Happening in Osterode gibt. Teilen ausdrücklich erwünscht.   

 

Foto und Text:Mareike Spillner