Bad Lauterberg, 9. Januar 2017

Nachricht

Pastorin Alexandra Beiße aus St. Andreas verabschiedet

Musik ist die Sprache der Seele – und der Erinnerung

Abschiedspredigt von Pastorin Beiße

Lächelnd tritt sie an die Kanzel, blickt ihrer Gemeinde entgegen, in der sie elfeinhalb Jahre lang zu Hause war: Alexandra Beiße wurde am Sonntag feierlich als Pastorin der St. Andreas-Kirche in Bad Lauterberg verabschiedet. „Man sagt, dass die erste Gemeinde für einen Pastoren wie die erste große Liebe ist. Nun ja, bei mir war es nicht gerade Liebe auf den ersten Blick“, gibt Alexandra Beiße unumwunden zu. „Aber sehr viele Menschen sind mir im Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen.“ Denn zunächst hatte sie eine schwere Zeit in Bad Lauterberg. „Die Gemeinde war ganz anders geprägt als meine Vikariatsgemeinde Harsum. Außerdem musste ich erst eine ungewöhnliche Gemeindewahl über mich ergehen lassen. Und ich habe zum ersten Mal Menschen im Sterben begleitet“, blickt die 42-Jährige zurück. Gerade in dieser schwierigen Phase habe sie jedoch ein Vertrauen entwickelt, das ihr gezeigt habe: „Dein Gott trägt Dich.“ Musik ist die Sprache der Seele – und der Erinnerung. Getreu dieses Sinnbilds führte Alexandra Beiße durch ihre ganz besondere Abschiedspredigt: „Jedes Leben hat ganz andere Melodien, Lieder und Musikstücke. Die Musik, die wir uns aussuchen, zeigt ein Stück von uns selbst.“ Aus der St. Andreas-Gemeinde mache die hochkarätige Kirchenmusik etwas ganz Besonderes. Im Laufe ihres Dienstes seien ihr sechs Lieder immer wieder begegnet. „Ich habe einen neuen Geist gespürt in unserer Gemeinde. Konfirmanden kamen zu mir und wünschten mir ein schönes Weihnachtsfest – ganz ohne Unterschrift“, witzelte sie im Hinblick auf die neu strukturierte Konfirmandenarbeit, die ihr sehr am Herzen liegt. Genau wie die Kinder der Kinderkirche, die ihr zum Abschied ein Ständchen gaben. Oder auch die Jugendlichen, ihre Teamer, die Pastorin Beiße ebenfalls  musikalisch verabschiedeten. „Es gab so viele berührende Momente und viele Tränen: Aus Trauer, aber auch vor Freude. Ich gucke dankbar auf diese wundervolle Zeit.“ Aus Liebe zu ihrem Mann Roland hat sich die Pastorin entschieden, die St. Andreas-Gemeinde in Bad Lauterberg zu verlassen und sich der gleichnamigen Gemeinde in Harsum zuzuwenden. Dort und in der Kirchengemeinde St. Martin in Bavenstedt bei Hildesheim ist sie seit dem 1. Januar die neue Pastorin. Bevor Superintendent Volkmar Keil sie aus ihrem Dienst in Bad Lauterberg verabschiedete, stellte er fest: „Ihnen flogen sehr schnell die Herzen der Gemeinde zu. Über ihren Weggang sind wir sehr traurig – und das dürfen sie als Kompliment verstehen.“ Nun entstehe an St. Andreas „die erste Vakanz seit Jahrhunderten.“ Die Pastorenstelle sei aber bereits ausgeschrieben.  Übergangsweise übernimmt ab Februar Klaus-Wilhelm Depker als Springer die pastoralen, und Pastor Walter Merz mit Unterstützung des Leitungsteams des Kirchenkreises die verwaltungsrechtlichen Aufgaben. „Sie hatten immer einen Koffer in der Domstadt – deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie ihr Herz daran verloren haben“, schloss Keil lächelnd, bevor er ihr und ihrem Mann den Segen Gottes mit auf den Weg gab. Nebenan im Gemeindehaus hatte dann jeder einzelne der mehreren hundert Gäste die Gelegenheit, sich persönlich von „seiner Pastorin“ zu verabschieden. Auch einige Kollegen, der Kirchenvorstand, die Stiftung „Zukunft für St. Andreas“ und der Bürgermeister ließen es sich nicht nehmen, persönliche Wünsche, Geschenke und sogar einstudierte Sketche zu überbringen. Als Teamer Tobias Metzger schließlich ein eigens komponiertes Lied über die Pastorin vortrug, war es dann doch um sie geschehen und sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Das sind eben die Melodien, die das Leben schreibt.

 

 

Foto:Mareike Spillner