Osterode, 19. November 2015

Nachricht

Die Freiheit ist stärker als der Terror

Andacht zum Gedenken an die Opfer der Anschläge in Paris

Bild: Christian Dolle. Die Andacht mag nur ein kleines Zeichen sein, doch vielen tat die gemeinsame Trauer gut.


„Es macht fassungslos, dass Menschen politische und religiöse Ziele so fanatisch umsetzen, dass sie dabei jeden Blick für das Einzelschicksal, jedes Mitleid, jedes Erbarmen, jedes Gefühl für Gerechtigkeit verlieren. Verstehen kann und muss man das nicht.“ Mit diesen Worten beschrieb Superintendent Volkmar Keil am Donnerstagabend sein Empfinden zu den Anschlägen in Paris, die so viele sprachlos gemacht hatten. Um das Entsetzen aufzufangen und der Opfer zu gedenken, war in Osterode zu einer Andacht eingeladen worden, bei der Bürgermeister Klaus Becker, Erhan Akman als Stimme der muslimischen Gemeinden und Volkmar Keil für den Kirchenkreis Harzer Land gemeinsam deutlich machten, dass das Miteinander und die Freiheit stärker sind als der Terror.

Keil beschrieb den sogenannten Islamischen Staat als eine Gewaltherrschaft, unter der Kulturgüter zerstört werden, Massaker keine Seltenheit sind und unter der wie jetzt in Paris wahllos getötet wird. Ihr müsse mit der nötigen Besonnenheit entgegengetreten werden, denn „einer solchen Gruppe dürfen wir nicht die Welt überlassen“, mahnte er. Uns verunsichern die Taten in Paris, wie sich an der Absage des Länderspiels in Hannover noch einmal deutlich zeige, doch dürfe sich unsere Freiheit sich nicht der Angst ergeben, wir dürfen uns unser Leben nicht vom IS diktieren lassen. „Und wir können es. Weil wir einen Gott haben, der zu uns steht. Und der uns nicht verlorengehen lässt. Und der uns trägt, auch in solchen Situationen, auch im Tod. Und weil er ein Gott des Friedens ist, wird er die nicht belohnen, die sich dem Terror verschrieben haben“, so Keil. Genau das griff auch Erhan Akman auf, indem er sagte: „Terror hat keine Religion.“ Ebenso wie die Christen verurteilten auch die Muslime die Attentate und den Fanatismus. Das alles sei nicht im Sinne des Islam, machte er deutlich. „Unsere Glaubensbücher lehren uns: Du sollst nicht töten!“ Keil und auch Becker war es besonders wichtig, dass in dieser Andacht auch die in Osterode lebenden Muslime zu Wort kommen und ihre Solidarität bekunden, denn sie gehören zweifelsfrei zu unserer Gesellschaft, müssten sich allerdings häufig eines unbegründeten Generalverdachts erwehren. Dabei kommen viele von ihnen - gerade auch als Flüchtlinge - zu uns, um dem Terror des IS zu entfliehen.

„Ich möchte aber auch daran erinnern, dass wir am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Opfer zu beklagen hatten, die von einem rechtsextremistischen und islamfeindlichen norwegischen Terroristen begangen wurden“, erinnerte der Bürgermeister daher daran, dass solche Taten immer von fanatischen Einzeltätern begangen werden. Vor allem aber bekundete er seine Solidarität mit den Angehörigen der Opfer, mit Frankreich und auch mit der Partnerstadt Armentiéres, wo man für die Nachricht aus Osterode dankbar war und antwortete: „Die Brüderlichkeit unter den Völkern der ganzen Welt wird immer stärker sein, als die Barbarei und der Terrorismus.“
Zwar ist eine Andacht in Osterode nur ein kleines Zeichen, doch in gemeinsamer Schweigeminute, gemeinsamem Singen und gemeinsamem Gebet zeigte sie dieses Miteinander deutlich und machte vielleicht auch ein wenig Hoffnung, dass solch erschreckender Gewalt, Hass und Krieg eben doch etwa entgegenzusetzen ist. Das wusste immerhin schon Paulus, den Keil mit dem Satz aus seinem Brief an die Römer zitierte: „Lasst euch nicht überwinden vom Bösen, sondern überwindet das Böse mit Gutem.“

Öffentlichtskeitsbeauftragter des Kirchenkreises Harzer Land Christian Dolle
 
Bild: Christian Dolle. Bürgermeister Becker verurteilte Gewalt und Terror unter dem Vorwand der Religion.
Bild: Christian Dolle. Die Taten von Paris sind nicht im Sinne des Islam, machte Erhan Akman deutlich.
Bild: Christian Dolle. Die Stadt, der Kirchenkreis und die muslimische Gemeinde.
Bild: Christian Dolle. Superintendent Keil erinnerte auch an Flüchtlinge, die gerade deshalb zu uns kommen, um dem Terror des IS zu entfliehen.