Bad Lauterberg, 21. August 2016

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Religion trennt nicht – sie gibt Halt

Tag der Nationen in Bad Lauterberg mit Friedensgebet eröffnet

Die Vertreter der unterschiedlichen Religionen beim Friedensgebet. Foto: Mareike Spillner

Sie haben einen weiten Weg auf sich genommen, voller Ungewissheit und Ängste. In Deutschland erwartete sie eine andere Sprache, eine andere Schrift, andere Denkweisen. Und viele fremde Menschen. Doch aus Fremden wurden Freunde – zumindest in Bad Lauterberg. Dank der Flüchtlingshilfe durch den Kinderschutzbund. Und dies sollte am Samstag mit einem großen Fest, dem „Tag der Nationen“, der gemeinsam mit der Kulturstiftung für Kinder, der Stadt Bad Lauterberg und vielen ehrenamtlichen Helfern veranstaltet wurde, auf dem Kirchparkplatz gefeiert werden. „Religion trennt nicht. Wir haben zwar unterschiedliche Wurzeln – aber unsere Religion gibt uns Halt“, waren sich die Vertreter der unterschiedlichen Konfessionen einig. Gemeinsam standen Superintendent Volkmar Keil und Friedemann Heß, Pastor im Ruhestand, der sich ebenfalls in der Flüchtlingshilfe engagiert, Wiebke Gottschalk, Lektorin der Katholischen Kirche in Herzberg, Hazem Al-Dalati vom Islamischen Arbeitskreis Harz und das junge Mädchen Ala, die zusammen mit ihrer Familie aus Syrien geflüchtet war, auf der Bühne und sprachen ein emotionales Friedensgebet auf Deutsch und Arabisch. „Die Insel Lampedusa ist das Sinnbild für das Ausmaß der Not und der Verzweiflung der Flüchtlinge. Aus den Holzplanken der gekenterten Flüchtlingsboote werden Kreuze gestaltet, die zusammen mit Meditationstexten über Barmherzigkeit und Frieden um die Welt gehen“, verkündete Gottschalk. Und alle waren sich einig: „Wir wünschen uns sehnlichst Frieden auf der Welt.“ Diesen Faden nahm Heiner Hunke von der Kulturstiftung für Kinder auf und ergänzte: „Das, was wir hier Nachdenkliches gehört haben, können wir heute und in Zukunft weiterhin leben.“ Dann waren alle Kinder gefragt, die zusammen auf der Bühne mit den Besuchern als Chor, ein Willkommenslied sangen. Auch Bürgermeister Dr. Thomas Gans, rief auf: „Wir wollen zusammenkommen und zeigen, dass die Menschen, die Zuflucht gefunden haben, hier bei uns willkommen sind und wir sie sehr gerne aufnehmen wollen. Wir sind eine starke Gemeinschaft!“ Denn dieses Fest war indirekt die Resonanz auf die Mahnwache des rechtsextremen „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, die im März in der Kneipstadt abgehalten wurde. 

Dass gelebte Integration und Weltoffenheit  in Bad Lauterberg keine Floskel ist, sondern Tatsache, wurde auch im Anschluss deutlich: Man kam miteinander ins Gespräch, plünderte das internationale Büffet, zu dem viele Familien und ihre Paten etwas beigesteuert hatten, hörte sich manch schweres Schicksal an und versuchte zu helfen. „Stimmung gut, Resonanz gut, Essen weg“, kommentierte Michael Quendler von der Flüchtlingshilfe am Nachmittag scherzend und ergänzte: „Wir sammeln schon fleißig Ideen und arbeiten an einer Folgeveranstaltung.“ Auch die Vorsitzende Janka Eckhardt, die gerade den Ehrenamtspreis 2015 der Stadt Bad Lauterberg  erhalten hat, strahlte vor Freude: „Wir wollten damit erreichen, dass Berührungsängste abgebaut werden, sich die Leute unterhalten und feststellen: Mensch, die sind ja nett.“ Dieses Ziel scheint erreicht worden zu sein. Drei ältere Damen am Tisch sind jedenfalls begeistert: „Uns gefällt es hier sehr gut! Die Kinder spielen so schön miteinander und wir haben uns auch gut unterhalten. Ehrlich gesagt, hatten wir wirklich Hemmungen. Aber die bauen wir gerade ab.“ Na, wer sagt‘s denn. Die positiven, künstlerischen Ergebnisse des Nationentages lassen sich übrigens bei einem Familiengottesdienst in der St. Andreas-Kirche in Bad Lauterberg am kommenden Sonntag um 10 Uhr bewundern. Und wer noch keine Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernommen hat – in welcher Stadt auch immer – kann sich gerne erkundigen. „Es lohnt sich!“, sind sich alle befragten Paten einig. Auch wenn dies Engagement, Zeit und manchmal auch Nerven erfordere: Die Dankbarkeit und das Lächeln der Kinder sei die beste Entlohnung.

Mareike Spillner, Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises Harzer Land