Steina, 13. März 2016

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„Klänge halten die Welt zusammen“

Fritz Baltruweit lud in Steina zum Mitsingen ein

Der Pastor und Liedermacher Fritz Baltruweit steckte die vielen Zuhörer mit seiner Liebe zur Musik an und brachte sie mit mancher Textzeile auch zum Nachdenken. Foto: Christian Dolle
Das Evangelische Gesangbuch ist für die Kirche so etwas wie eine Sammlung der Top-Charthits der letzten Jahrhunderte. Fritz Baltruweit ist einer der wenigen noch lebenden Musiker, deren Lieder es in diese Charts geschafft haben, innerhalb der evangelischen Kirche also einer der ganz großen Stars. Am Sonntag war er in der Katharinen-Kirche in Steina zu Gast, doch statt Starallüren begeisterte er mit Liedern zum Mitsingen und ehrlicher Freude über den tollen Chor, der seine Zuhörer für ihn waren.
„Seine Melodien können Gehörgänge gewaltlos erobern“, kündigte Pastor Simon Burger ihn mit einem Zitat der FAZ an, „Einige haben sich von den Kirchentagen über die Jugendfreizeiten bis in die Gottesdienste und damit in die Frömmigkeit der gesamten Kirche vorgearbeitet. Der Mann, der Menschen exakt so freundlich, arglos und offen gegenübertritt, wie es seine Lieder tun, hat die Reduktion zum Prinzip gemacht – bei der Melodie, beim Text, bei der Theologie. Basal soll es sein, nicht banal. Einfachheit ist ihm darum Tugend und Klarheit das Ziel.“ Was genau mit dieser treffenden Beschreibung gemeint ist, fanden die Gäste in der voll besetzten Kirche in zwei kurzweiligen, doch nachklingenden Stunden heraus.
Viele von Baltruweits Liedern sind bekannt, sogar diejenigen, die seltener in die Kirche gehen, haben sie irgendwo schon einmal gehört. „Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.“ Diese Zeilen konnte fast jeder auch ohne Blick auf den Liederzettel mitsingen. Der Text ist klar, die Melodie eingängig, der Song hat also alles, was ein Hit braucht.
Ein Leben ohne Musik wäre für ihn nur ein halbes, sagte Baltruweit. Sie bringe Sonne in sein Leben, ebenso möge er aber auch die Regenmelodien, weil alle gemeinsam das Leben erst bunt machen. Auf den ersten Blick mag das naiv und arglos klingen, auf den zweiten wiederum so einleuchtend, dass die Frage aufkommen mag, warum wir so vieles auf der Welt unnötig kompliziert machen. „Wo ein Mensch Vertrauen gibt, nicht nur an sich selber denkt, fällt ein Tropfen von dem Regen, der aus Wüsten Gärten macht.“
Diese Lieder klingen bei Fritz Baltruweit glaubwürdig und ehrlich. Dank der Begleitung von Konstanze Kuß an der Harfe und der Flöte sowie Valentin Brand am Keyboard und nicht zuletzt der besonderen Akustik der Kirche klangen sie zudem wohltuend und aufbauend. Die Musiker lieben das, was sie tun, und sie leben diesen geradezu kindlichen Glauben, der in einfachen Versen großes Vertrauen in Gott ausdrückt.
Auch ernsten Themen widmet sich der Liedermacher und Pastor. Beispielsweise erzählte er von einer Mutter, die ihr Kind bei einem Unfall verloren hatte. Zunächst wollte sie von Gott nichts wissen, schließlich habe er dieses Leid nicht verhindert. Später jedoch habe sie in der Musik Trost gefunden, weil es manchmal eben die einfachen Botschaften sind, die Gefühle auf den Punkt bringen. „In deiner Nähe habe ich den Himmel erblickt; du bist ein Engel, von Gott geschickt.“
Musik gibt Kraft, sie inspiriert und sie heilt, gab Baltruweit seinen Zuhörern mit auf den Weg, „Klänge halten die Welt zusammen.“ Manchmal braucht es eben niemanden, der als Star angehimmelt wird, sondern einfach einen, der zum Mitsingen einlädt. „Wohin der Wind dich weht, wohin die Reise geht: Nimm mit, was dich bewegt. Bewahre, was dich trägt: Das Rauschen der Wellen, die Stille der Erde, das Leuchten aller Sterne und das Wehen des Windes, der dich trägt“, klang es nach Einbruch der Dämmerung aus vielen Kehlen aus der Steinaer Kirche, „Gottes Segen sei mit dir und mit denen, die du liebhast, mit allen Menschen."
 
Christian Dolle, Öffentlichkeitsbeauftragter Kirchenkreis Harzer Land