Duderstadt, 13. März 2016

Nachricht

Die Muskeln der Barmherzigkeit trainieren

Ökumenischer Kanzeltausch in Duderstadt

Pastorin Claudia Edelmann und Propst Bernd Galluschke. Foto: Mareike Koch

Heute ist etwas anders als sonst in der evangelischen St. Servatius-Kirche in Duderstadt. Nicht die Pastorinnen Christina Abel oder Claudia Edelmann halten die Predigt in diesem Sonntagsgottesdienst, sondern der katholische Propst Bernd Galluschke. Denn die Bischöfe der römisch-katholischen und der evangelischen Kirchen in Niedersachsen haben zum ökumenischen Kanzeltausch in der Passionszeit aufgerufen. Nicht dass es das in Duderstadt nicht auch schon vorher gab. „Aber eben nicht in der Passionszeit. Das ist neu. Wir nehmen diesen Impuls aber gerne auf, denn ökumenische Gottesdienste sind uns seit langen Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden“, berichtet die Pastorin nach dem Gottesdienst. Der Kanzeltausch soll als Geste der Gemeinschaft verstanden werden und steht – in Vorbereitung auf das Reformationsjahr 2017 – für gegenseitige Gastfreundschaft und die gemeinsame Verantwortung als Christen. Eben diese Verantwortung und gleichzeitig den Begriff Barmherzigkeit nahm Propst Galluschke in seiner Predigt in den Blick. „Beim Dankes-Essen für die Flüchtlingshelfer neulich in Germershausen habe ich gesehen, wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit hier vor Ort gelebt wird.“ Das Reich Gottes ist zu Euch gekommen, heißt es in der Bibel (Lukas 11,20). „Genau dort, wo Werke der Barmherzigkeit geschehen“, so Galluschke. Und er ging noch einen Schritt weiter. „Wir haben keine missionarischen Erfolge. Oder sind die Gottesdienste sonntags voller? Aber die zahlreichen Flüchtlinge verändern uns. Die Muskeln der Barmherzigkeit werden trainiert. Wir als Christen, alle Menschen unabhängig ihres Glaubens, sollten sich fragen: Wie kann eine Gemeinde immer wieder zu einem Ort der Barmherzigkeit werden? Oder ist Kirche dort, wo Barmherzigkeit geschieht?“ Anstatt des Glaubensbekenntnisses wurde gemeinsam „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ gesungen, bevor Pastorin Edelmann und Propst Galluschke gemeinsam zum Altar schritten und den Segen erteilten.

Bereits am 21. Februar hatte es in Duderstadt einen Kanzeltausch gegeben: Eine katholische Fasten-Andacht mit etwa 200 Besuchern in St. Cyriakus mit einer Predigt von Pastorin Abel. „Diese Veranstaltung schloss sich an das Friedensgebet im Januar an, zu dem nach einer Kundgebung vor dem alten Rathaus in Duderstadt  viele Menschen in die St. Servatius-Kirche kamen, um gemeinsam zu beten“, blickt Propst Galluschke zurück. Was die St. Servatius und die St. Cyriakus-Kirche außerdem miteinander verbindet? Die Gewölbe der Ober- und der Unterkirche dominieren schön gestaltete Schlusssteine. Dieses Miteinander möchte die St. Servatius-Gemeinde fördern und hat gemeinsam mit dem Kirchenkreis Harzer Land die Patenschaft für den Schlussstein „St. Servatius“ im Chorraum in der St. Cyriakuskirche bei der Innenrenovierung und -beleuchtung übernommen. Seit Februar steht deshalb zu den Gottesdiensten eine Spendendose bereit. Eine besondere Aktion erwartet die Gottesdienstbesucher im Sommer: Beim Schützenfest wird zum ersten Mal ein Ökumene-Pokal ausgeschossen. Es ist angedacht, den Sieger im ökumenischen Gottesdienst zu proklamieren.

 

Mareike Koch, Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises Harzer Land