Herzberg, 24. März 2016

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„Das wichtigste kirchliche Fest des Jahres“

Ostertraditionen: Eine georgische Familie aus Herzberg erzählt

Und jetzt alle gemeinsam pusten, damit die Kohle glimmt. Foto: Mareike Koch
Zu Ostern feiert die christliche Religion die Auferstehung Jesu. Auch die orthodoxen Christen – allerdings ist Ostersonntag nach dem julianischen Kalender bei ihnen erst am 1. Mai. Giorgi und seine Familie stammen aus Georgien und sind vor gut drei Jahren nach Deutschland gekommen. Jetzt wohnen sie in Herzberg. In seinem Wohnzimmer über dem Sofa hat sich Giorgi eine kleine „orthodoxe Ecke“, wie er es nennt, eingerichtet. In einem Regal stehen Bildnisse von der heiligen Maria, dem heiligen Nino, Symbol der Georgischen Kirche, „sein Buch“ und weitere Ikonen. Giorgi reiht sie für ein Foto auf. „Und das da oben ist Jesus“, sagt Tochter Anano (6) lächelnd. Sie kann viel über den Glauben in Georgien und die besonderen Ostertraditionen erzählen und greift, zusammen mit ihrem Bruder, David (7) immer dann ein, wenn ihrem Vater ein deutsches Wort fehlt. „Bei uns ist Ostern das wichtigste kirchliche Fest des Jahres“, erklärt Giorgi. Bereits Wochen vorher essen viele Georgier keine tierischen Produkte mehr, um sich für das Fest zu „reinigen“. „Wir trinken Wasser und essen Brot – manchmal auch Kartoffeln, Salat und Gemüse. Aber es gibt kein Fleisch, keine Eier und keine Milch“, verdeutlicht der 31-Jährige. Am Vorabend von Gründonnerstag brennen in Georgien auf den Feldern Feuer, genannt „Tschiakokonoba", zur Vertreibung der bösen Geister. Diese Tradition ähnelt dem deutschen Osterfeuer. Karfreitag heißt auf Georgisch „Roter Freitag". An diesem Tag färbt jede Familie Eier mit Krapp-Wurzeln rot. „Wegen des Todes Jesu. Wir möchten ihm helfen, wieder zu leben, deshalb färben wir die Eier rot“, erklärt die kleine Anano ernst. Am Karsamstag wird das georgische Osterbrot „Paska" gebacken, ein Hefegebäck aus Weizenmehl und Rosinen. „Das ist echt lecker“, findet David. Um Mitternacht beginnt in Georgien dann der Ostergottesdienst. „Wir beten zu Hause“, erklärt Giorgi. Seine Frau Guliko (33), ihre große Tochter Salome (18) und Enkelkind Giorgi (2) sind in der Küche. Sie haben zu tun, gleich kommen Freunde zu Besuch. Der Tisch ist üppig gedeckt: Es gibt Ente und Küchlein aus Maismehl. Außerdem eingelegte Auberginen und eine traditionelle Spezialität aus Teig mit Käse gefüllt. Natürlich darf ich als Gast probieren und es schmeckt vorzüglich. Dann soll ich unbedingt noch sehen, wie in Georgien gebetet wird. Denn das Beten gehört zur festen Tradition. „Wir zünden immer eine kleine Kerze an. Sie ist aus Bienenwachs, ich habe sie aus Georgien mitgebracht“, erklärt Giorgi. „Mich interessiert nicht, ob jemand muslimisch, evangelisch oder katholisch ist. Für mich zählt die Person“, ergänzt er. Dann nimmt Giorgi einen Kelch vom Regal und entzündet mit einem Feuerzeug ein Stück Kohle. Anano, David und er pusten kräftig und die Kohle glimmt. Dann kommt etwas Pulver dazu. „Damit die Luft duftet“, erklärt Anano und schon macht sich ein intensiver Weihrauch-Duft im Zimmer breit. Am Ostersonntag stehen in Georgien alle Türen offen. Die Menschen begrüßen sich auf der Straße mit dem Ostergruß: „Christe Aghsdga!" (Christ ist auferstanden) und der Antwort: „Tscheschmaritad!" (Wahrlich, das ist er!). Überall ist man herzlich willkommen, laute Musik ertönt und es wird gemeinsam gefeiert. Während bei uns Karfreitag der „stille Feiertag“ ist, wird in Georgien am Ostermontag der Toten gedacht. Gemeinsam pilgert die Familie zum Friedhof, um den Vorfahren zu gedenken und rote Eier und Paskabrot ans Grab zu bringen. Aber eine Tradition ist noch gleich: Das Eierticken. „Immer zwei nehmen sich ein Ei und das, das keinen Sprung hat, gewinnt“, erklären Anano und David gemeinsam. Sie freuen sich schon sehr auf das baldige Osterfest.
Mareike Koch, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Harzer Land