Osterode, 13. April 2016

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„Ich“ und „du“ und die korrekte Aussprache dazu

Sprach-App „German for refugees“ wurde Flüchtlingen und Paten vorgestellt

Die Sprach-App wurde am Mittwoch ausgiebig getestet. Foto: Christian Dolle

Vor etwa einem Jahr entschloss sich Jörg Beckmann mit einigen Flüchtlingen Deutsch zu lernen. Ganz ungezwungen, ganz privat, ganz ohne bürokratische Hürden. Auf keinen Fall aber ohne Erfolg, denn mehr Menschen als erwartet nahmen sein Angebot an und wollten zusätzlich zu den offiziellen Sprachkursen ihre Kenntnisse noch erweitern und vertiefen.

 

Als Lehrmittel wählte Beckmann das von der Diakonie Niedersachsen und dem Goethe-Verlag herausgegebene „book2“ mit der dazugehörigen kostenlos verfügbaren App „German for refugees“, den Raum bekam er von der Kirchengemeinde Schwiegershausen gestellt. Das Projekt wurde so erfolgreich, dass Angela Zölke und Pastor Michael Bohnert es unbedingt auch in Osterode ausprobieren wollen. Am vergangenen Mittwoch wurde also ins Gemeindezentrum St. Jacobi eingeladen, wo App und Buch und natürlich die Erfahrungen von Jörg Beckmann vorgestellt wurden.

Angela Zölke, die den Internationalen Treff in Osterode aufgebaut und viele Jahre maßgebliche Integrationsarbeit geleistet hat, und Wilfried Schröter vom Kirchenvorstand begrüßten etliche Flüchtlinge, aber auch Paten und interessierte Ehrenamtliche, die sich vorstellen können, beim Deutschlernen zu helfen. Genau das schwebe ihr vor, erklärte Zölke, die selbst schon etliche Deutschkurse gab, dass sich Kleingruppen finden, die gemeinsam mit Buch und App lernen und somit auch allmählich zusammenwachsen. Auch in der Erstaufnahmeeinrichtung in St. Andreasberg stellte sie das Projekt bereits vor, wo es seitdem begeistert genutzt wird.

„Es ist keine Konkurrenz zu den bestehenden Sprachkursen, sondern ein zusätzliches Angebot“, machten sie und Beckmann deutlich. Deshalb gab es auch erst einmal Kaffee und Kekse für die entspannte Atmosphäre, bevor die App eifrig heruntergeladen und der Umgang mit den Büchern erläutert wurde. Dabei sind die Hürden sehr gering, das Buch erklärt sich im Prinzip von selbst, da es mit einfachen Worten und kleinen Dialogen beginnt, und auch die App war ziemlich schnell installiert und wurde mitsamt der Sprachfunktion ausprobiert.

Natürlich wurde alles erst einmal unter anderem auf Farsi und Arabisch übersetzt, damit die Flüchtlinge wussten, worauf sie sich da überhaupt einlassen, doch die meisten von ihnen stürzten sich schon bald auf die ersten Lektionen und übten „ich“ und „du“ und die korrekte Aussprache dazu. Ihnen allen gemeinsam ist schließlich, dass sie genau wissen, wie wichtig die Sprache für ihr Leben hier in Deutschland ist und ihr Eifer wirkte auf viele Ehrenamtliche absolut ansteckend.

Wer sich auch noch anstecken lassen will, hat am Mittwoch, 27. April, die Gelegenheit dazu. Dann nämlich steht um 10 Uhr das nächste Treffen im Gemeindehaus St. Marien an, zu dem interessierte Sprachpaten und natürlich auch Flüchtlinge jeder Muttersprache herzlich eingeladen sind. Im Gemeindehaus St. Marien soll dann auch ein Raum zum gemeinsamen Lernen zur Verfügung gestellt werden, auch wenn App und Buch natürlich auch im privaten Rahmen genutzt werden können. Ganz wie es eben passt, ganz ungezwungen.

 

Christian Dolle, Öffentlichtskeitsbeauftragter des Kirchenkreises Harzer