Osterode, 14. April 2016

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„Unsere Hilfsorganisation ist zu einem kleinen Unternehmen gewachsen“

Rumänienhilfe schaute bei ihrer Jahres-Mitgliederversammlung auf Einnahmen und Ausgaben

Bei der Rumänienhilfe ist auch die wirtschaftliche Lage ein Thema. Foto: Christian Dolle

Reißt die Hilfe für Flüchtlinge eigentlich anderswo große Löcher in die Töpfe der Hilfsorganisationen? Lässt die Unterstützung für neu in Deutschland Ankommende die Spendenbereitschaft für andere Hilfsbedürftige schrumpfen? Ist es in unserem Land überhaupt möglich, allen gleichzeitig helfen zu wollen? Mit diesen Fragen musste sich der Freundeskreis Rumänienhilfe Osterode bei seiner Jahres-Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche auseinandersetzen.

Immerhin ist die Höhe der eingehenden Geldspenden auf 13694 Euro in diesem Jahr gesunken, wo es in den vergangenen Jahren schon deutlich mehr waren. Dabei belaufen sich die Ausgaben der Hilfsorganisation, die seit 25 Jahren Kleidung, Pflegebedarf, Schulmaterialien und einiges mehr an die Diakonia in Alba Julia spendet, auf mittlerweile 27600 Euro, die ebenso seit Jahren kontinuierlich steigenden Kosten für Personal, Kraftfahrzeuge und Raummieten. „Unsere Hilfsorganisation ist zu einem kleinen Unternehmen gewachsen“, stellte der Vorsitzende, Superintendent a.D. Heinrich Lau, mit Freude über die Kontinuität der Arbeit für Bedürftige in Rumänien fest.

Doch in jedem Unternehmen gilt es auch, Einnahmen und Ausgaben im Blick zu behalten und wirtschaftlich zu handeln. So stellte Gerhard Helwing in seinem Bericht die steigenden Kosten dar für immer mehr Arbeit, die rein ehrenamtlich nicht zu bewältigen ist. Er dankte den Mitarbeitern des Fairkauf für die Sichtung und Sortierung der eingehenden Spenden, der Haus- und Hofgruppe der Harz-Weser-Werkstätten für die fachmännische Verladung auf die Lkw und dem Kirchenkreisamt für alles Bürokratische. Dennoch sei inzwischen zu überlegen, ob in Zukunft Geld aus Alba Julia zurückfließen muss, um die steigenden Kosten hier zu decken. Bis jetzt konnte das noch aus Rücklagen finanziert werden.

Ein Blick auf die eingehenden Spenden zeigt, dass es viele seit Jahren treuen Spender gibt, wobei die Zahl der Daueraufträge abnimmt, und manche Spenden tatsächlich zugunsten der Flüchtlinge zurückgefahren wurden. Vor allem bei den Schulranzen ist in diesem Jahr ein Engpass zu erwarten, da vieles nun einmal hier an Familien mit schulpflichtigen Kindern gespendet werde. Meist seien jedoch Altersgründe für diese Entwicklung ausschlaggebend, denn auch die Rumänienhilfe tut sich schwer damit, neue Mitglieder zu begeistern. Das zeigte sich ganz deutlich auch in den anstehenden Vorstandswahlen, zu denen außer den Amtsinhabern Dr. Eckhard Zenker, Gerhard Helwing und Heinrich Lau niemand kandidierte, so dass diese einstimmig wiedergewählt wurden.

Grund zur Besorgnis gibt es dennoch nicht. Vor allem sind die steigenden Kosten nämlich durch die Rekordzahl von 15 Lkw zu erklären, die im vergangenen Jahr nach Rumänien geschickt wurden. „Das sind so richtig gewaltige Laster, hinten drei Achsen, in der Mitte drei Achsen, vorne eine Achse und darauf jeweils etwa zehn Tonnen Hilfsgüter“, sagte Lau nicht ohne Stolz. Wenn die Zahl der Geldspenden auch sinke, steige die Zahl der Sachspenden umso deutlicher an, immerhin so deutlich, dass am Rollberg Räume angemietet werden mussten, um logistisch überhaupt noch hinterherzukommen.

„Es ist so, dass die Flüchtlingswelle die Spendenbereitschaft sogar noch erhöht“, stellte er fest, vor allem was Kleidung betrifft. Daher tausche man sich inzwischen mit der Erstaufnahmestelle in Friedland aus und könne so sogar noch effektiver helfen. Ob diese große Zahl an Lkw mit dem jetzigen Personal zu halten ist, ist eine Frage, grundsätzlich erfährt die Rumänienhilfe auch nach 25 Jahren ein Vertrauen in der Bevölkerung Osterodes, das es möglich macht, das Leben für Menschen mit Behinderung, Schulkindern und alten Menschen in Alba Julia und Umgebung effektiv zu verbessern.

Als weiteres Zeichen, dass sich Hilfe nicht gegenseitig etwas wegnimmt, berichtete Angela Zölke über die Vorstellung der Sprach-App „German for refugees“ bzw. des Lehrbuches „book2“, mit dem sie Erfahrungen bei Familienseminaren des Ehepaares Bushra und Mohammed Karim bei STArQ machte. „Ich hatte das Gefühl, die Flüchtlinge waren froh, dass sie 1:1 mit jemandem üben können“, sagte sie und warb um weitere Ehrenamtliche, die sich vorstellen können, ein wenig Zeit mit Flüchtlingen zu verbringen und ihnen unsere Sprache ein Stück näher zu bringen.

 

Christian Dolle, Öffentlichtskeitsbeauftragter des Kirchenkreises Harzer
 
Der Vorstand wurde im Amt bestätigt. Foto: Christian Dolle