Osterode, 11. Mai 2016

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Zwei Wege der Reformation treffen sich

Gemeinsamer Gottesdienst nach reformierter Liturgie in St. Marien

Uta Herrmann und Pastor René Lammer laden zum gemeinsamen Gottesdienst ein. Foto: Christian Dolle

„Unsere Kirchen sind zu den Gottesdiensten eigentlich noch nicht einmal mit Blumen geschmückt“, erzählt Pastor René Lammer. Kirchenvorsteherin Uta Herrmann zunächst einmal erstaunt. „Und daran müssen wir uns am 22. Mai dann auch halten?“, fragt sie unsicher. Doch Lammer gibt Entwarnung, so eng sehe er die Unterschiede der Liturgie in der lutherischen und der reformierten Kirche nicht. Gut so, denn das macht die Planungen für den gemeinsamen Gottesdienst in der Osteroder St. Marienkirche leichter.

Pastor Lammer von der evangelisch-reformierten Kirche in Northeim und sein evangelisch-lutherischer Kollege Michael Bohnert haben sich entschlossen, eine Tradition in Osterode wieder aufzunehmen. Über vierzig Jahre wurden in den Gemeinden gemeinsame Gottesdienste gefeiert, diese Partnerschaft wollen sie jetzt wieder aufleben lassen und einmal im Monat zu einem Gottesdienst nach reformierte Liturgie einladen. Den Startschuss dazu gibt es am 22. Mai um 18 Uhr in Osterode.

Na gut, den eigentlichen Startschuss gaben Martin Luther und Johannes Calvin in Wittenberg bzw. Genf mit der Reformation. Beide reduzierten damals den christlichen Glauben auf die Beziehung zu Gott und auf die Lehre der Bibel und distanzierten sich von der katholischen Glaubensauffassung. „Calvin und Luther gingen dabei etwas andere Wege“, erläutert Lammer, „so ist die reformierte eine Kirche des Wortes und vielleicht etwas verkopfter als die lutherische.“

Das zeige sich auch in der Liturgie, die in der reformierten Kirche zunächst einmal ohne jegliche Musik und eben auch ohne Kerzen und Blumen in der Kirche auskam, da nichts vom Wort ablenken sollte. „Die Predigt steht klar im Mittelpunkt und es gleicht einer Vorlesung“, erläutert Lammer. Dass die Predigt der Hauptbestandteil eines Gottesdienstes ist, das ist auch Uta Herrmann wichtig. Trotzdem schätzt sie wie in der lutherischen Tradition üblich die Lieder, die die Gefühle der Gemeindeglieder ansprechen und damit noch einmal eine ganz andere Wirkung haben.

Mit Musik hat Lammer ebenso wenig ein Problem wie mit Blumen. Er arbeitete zwanzig Jahre lang im Ausland, unter anderem in Chile, Costa Rica und Griechenland. „Da lernt man, sich nur als Christ zu fühlen und macht keine weiteren Unterscheidungen“, berichtet er. Zudem seien die evangelischen Kirchen heute nicht mehr weit voneinander entfernt, so dass er offen für Kompromisse in der Liturgie sei. Schließlich geht es für Kirche insgesamt auch darum, einen Weg zu finden, heute noch Menschen durch Gottesdienste anzusprechen.

Das, so sind Uta Herrmann und René Lammer überzeugt, kann durch diesen Austausch zwischen beiden Gemeinden gelingen, der vielleicht dazu führt, dass die Gemeindeglieder sich auch mit Blick auf das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr intensiv mit ihrer Kirche auseinandersetzen. Daher sind die Osteroder ebenso herzlich zu diesem gemeinsamen Gottesdienst eingeladen wie die Northeimer und weitere Interessierte. Für alle Nicht-Osteroder wird Uta Herrmann schon ab 17.30 Uhr einige Informationen zur kleinen aber traditionsreichen St. Marienkirche geben, bevor um 18 Uhr der Gottesdienst losgeht. Im Anschluss ist noch ein Beisammensein zum persönlichen Kennenlernen und Austausch geplant.

Christian Dolle, Öffentlichtskeitsbeauftragter des Kirchenkreises Harzer