Kirchenkreis Harzer Land/Uslar, 18. Juli 2016

Nachricht

Nachruf auf Pastor i.R. Reinhard Wicke

Er hat Kräfte in der Gemeinde wachsen lassen

Ein Bild von Pastor Wicke aus dem Jahr 2005. Foto: Lutz Pusecker

Folgende Worte sagte Pastor Wolfgang Teicke anlässlich der Trauerfeier von Pastor i.R. Reinhard Wicke am 12. Juli in Uslar-Wiensen:

Das Lieblingserntedanklied von Reinhard Wicke beginnt: „Das Feld ist weiß; vor ihrem Schöpfer neigen die Ähren sich, ihm Ehre zu bezeigen. Sie rufen: lasst die  Sicheln klingen vergesst auch nicht, das Lob des Herrn zu singen.“ Sichel und Sense nicht als Symbole des Todes, sondern Anlass für Gotteslob. In diesem Geist nimmt die Kirchengemeinde St. Martin Nienstedt-Förste Abschied.

Pastor Reinhard Wicke hat 36 Jahre in unserer Gemeinde gewirkt und mit seinen Eigenarten und Begabungen der Kirche ein beeindruckendes Gesicht gegeben. Die Liebe und Ernsthaftigkeit zum Gottesdienst. Das Aufnehmen und Einbinden der Konfirmierten im Jugendkreis. Das alljährliche Krippenspiel aus seiner Feder, dem es nie an Akteuren mangelt, weil die Eltern den Text auch schon gesprochen hatten. Sein Platt und seine landwirtschaftliche Wurzeln schafften Nähe.

Ich habe ihn als jemanden kennengelernt, der sich mir als seinem Nachfolger loyal verhielt – obwohl ihm der Abschied aus Nienstedt nicht leicht fiel. Er konnte blitzgescheiter reden, als ich denken. Er lebte stärker in seiner eigenen Welt, als dass er sich die Welt der anderen zu Eigen gemacht hätte. Er pfiff sich eins auf das Leben, auf die Landeskirche, auf die Erwartungshaltung dritter - und alles mit wacher theologischer Bildung und Bibelkenntnis.

Er hat Raum geschaffen dafür, dass Jugendliche sich in seinem Pfarrhaus angenommen und zu Hause fühlten. Mit dem Umbau der St. Martinskirche mit Räumen für die Gemeindearbeit gelang ihm und seinen Mitstreitern in den 80ger Jahren ein Modell für die Kirche der Zukunft. Dadurch, dass er sich nicht für alles zuständig fühlte und nicht für alles kompetent war, hat er Kräfte in der Gemeinde nachwachsen lassen, die lebendig und eigenverantwortlich wesentliche Teile der Gemeindearbeit in ihre Hand nahmen. Dass er in mancher Hinsicht bedürftig war, regte helfende und regulierende Kräfte um ihn herum an. Zum Wohle der Gemeinde!
Vor fünf Wochen ließ er in einer fein formulierten Rede zur Ehrung eines Kirchenvorstehers erkennen, dass er in seiner Amtszeit auf Nachsicht angewiesen war – auf das Ausbügeln von Fehlern, auf das Getragenwerden in Krisen. Aus seinem Mund ein Liebesbekenntnis.

Schade – so viel ungelebtes Leben auf der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt im Weserbergland. Doch Gotteslob macht nicht halt an unserem Horizont. Die letzte Strophe des Erntedankliedes: „Am End nimm, Jesu, in die Himmelsscheuern auch unsre Seelen, Sabbat dort zu feiern. Die hier mit Tränen streuen edlen Samen, werden mit Freuden droben ernten. Amen.“ Seine Augen mögen schauen, was er geglaubt und verkündigt hat.

Pastor Wolfgang Teicke