Lautenthal, 17. August 2016

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Neue Ideen an den Kirchentüren

Start der Tournee der Reformationstüren durch den Kirchenkreis Harzer Land

Die Reformationstüren "touren" durch den Kirchenkreis. Foto: Christian Dolle

Vor 500 Jahren wandte sich Martin Luther mit seinen 95 Thesen gegen Irrwege der damaligen Kirche. Auch heute gibt es in der Kirche Dinge, die die Menschen nicht mehr erreichen, und andere, die sie sich wünschen würden. Daher greifen die Kirchengemeinden im Harzer Land den Thesenanschlag an die Tür der Wittenberger Schlosskirche von damals symbolisch auf und sammeln Vorschläge heutiger Christen zu zeitgemäßen Veränderungen.

Die Idee zu dem Projekt stammt von André Dittmann, Pastor in Lautenthal und Zellerfeld sowie Mitorganisator des Kirchenkreisfestes zum Reformationsjubiläum im kommenden Jahr. Zum Auftakt der Tournee der Reformationstüren begrüßte er am Montag in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lautenthal, wo zwei imposante Holztüren aufgebaut waren, die durchaus an die Zeit Luthers erinnerten. 

„Diese mehr als 200 Jahre alten Türen haben wir auf dem Dachboden der Kirche entdeckt, sie wurden aufbereitet und an ihnen sollen von nun an die neuen Thesen angeschlagen werden“, erläuterte Dittmann. Dabei bietet der eine der wuchtigen eisenbeschlagenen Flügel Platz für Vorschläge, die die Kirchengemeinde betreffen, der andere für solche, die sich auf den Ort beziehen. Schließlich soll Kirche mitten im Alltag der Menschen verortet sein und vielleicht kommen auch hier einige gute Anregungen.

So war es dann auch Ortsbürgermeisterin Ute Dulas, die den ersten Zettel an die Tür nagelte. Weitere Bürger folgten ihrem Beispiel und so füllte sich der Platz rasch mit vielem, was die Menschen im Ort bewegt. „Die Bevölkerung und die Vereine unserer Bergstadt sollten noch enger zusammenarbeiten“, hieß es da, ein „Zugehen auf Jüngere“ wurde gefordert und „Gesprächskreise über andere Kirchen“ angeregt. Ideen gab es viele, wenn auch nicht so drastisch formuliert wie von Martin Luther.

„Luther wollte reformieren, nicht spalten“, machte Pastor Dittmann deutlich, er wollte die Kirche ihrem Kern und auch den Menschen wieder näher bringen. Vielleicht gelingt das ja ein Stück weit auch mit dieser Aktion, die jetzt in Lautenthal gestartet ist und von nun an durch den gesamten Kirchenkreis Harzer Land zieht. Die Gemeinden können sich dafür eintragen, fest steht bereits, dass die Türen im September in Zellerfeld und in Barbis zu sehen sein werden, im Februar in Gieboldehausen, im Mai in Duderstadt, im Juni in Herzberg, im August 2017 in Echte und abschließend zum regionalen Kirchenkreisfest „Danke, Martin!“ im September 2017 in Osterode.

Bis dahin können sich noch andere Gemeinden an der Aktion beteiligen und die Reformations-Ideen vieler Gemeindeglieder aus der Region gesammelt werden. Die Lautenthaler und Pastor Dittmann jedenfalls sind schon jetzt gespannt, was alles an die Türen angeschlagen wird und natürlich auch, was letztlich davon umgesetzt werden kann.

Christian Dolle, Öffentlichtskeitsbeauftragter des Kirchenkreises Harzer